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Einer unter 64

Herausgegeben von Johannes F. Reichert in Strategie · 4/7/2017 20:58:29
Tags: StrategieARDZDFKopfschütteln

Die Idee von Pro7Sat1 vor einigen Tagen war wohl nicht viel mehr als ein Marketing-Gag. Vorstand Conrad Albert hatte gefordert, an den Rundfunkgebühren beteiligt zu werden, weil Pro7 mit seiner Nachrichtensendung mehr Zuschauer unter 30 erreiche als ARD und ZDF zusammen.

Eine Steilvorlage für ARD und ZDF: Stolz konterte die Tagesschau-Redaktion mit ihren Zahlen, die belegten, dass die Hauptausgaben von Tagesschau und heute durchaus noch höhere Reichweiten in der Zielgruppe haben:



Quelle: http://www.presseportal.de/pm/6561/3675431

Alles gut also? Eben nicht.

Der Blick auf die Zahlen offenbart eine dramatische Situation der öffentlich-rechtlichen Anbieter: Unter den insgesamt 10.47 Mio. Zuschauern, die die Tagesschau auf ihren verschiedenen Ausspielwegen (Das Erste, Dritte Programme, Web, …) erreicht, sind gerade mal 360.00 Zuschauer unter 30 Jahren.

Mit anderen Worten: 3,4% - einer unter 30 Zuschauern.

Im ZDF sieht’s nicht besser aus, im Gegenteil:
Bei stolzen 4,05 Mio. Zuschauern der heute-Sendung schauen gerade mal 70.000 Zuschauer unter 30 zu – magere  1,55% an der Gesamt-Zuschauerzahl.

Krasser ausgedrückt: Nur einer unter 64 heute-Zuschauern ist jünger als 30 Jahre.

Das alleine wäre nicht weiter schlimm: Das ‚alte‘ Medium TV ist schließlich vor allem für die Älteren da und leistet für diese Zielgruppe mit ihren Nachrichten einen wertvollen Beitrag in der Nachrichtenversorgung.
Überhaupt: ARD und ZDF erreichen mit ihren Gesamtprogrammen ohnehin nur etwa 5% der Zuschauer unter 50 Jahren.

Also könnte man sich in öffentlich-rechtlichen Chefetagen gelassen zurücklehnen, gäbe es entsprechende Angebote, mit denen die jüngeren Zielgruppen erreicht werden: Auf Facebook, Instagram, YouTube oder sonstwo.
Das aber ist nun leider nicht der Fall.

Die entsprechenden Angebote gibt es, aber nur leider ohne Reichweite. Und daran wird sich nichts ändern, solange die Budgets und Personalressourcen der Anstalten weiter auf die TV-Quote und die bewährte Zielgruppe der über 50jährigen ausgerichtet werden.

Veränderungsbereitschaft sieht anders aus.




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